… « zwischen »  den Zeilen und den Erdschichten … « entre » les lignes et la terre

@Marché de Noël à l'îlot13, Samedi 16/12 @studying in Geneva!

Wenn Regen nervt

* dieser Text wird im Zeitpunkt-Magazin (Ausgabe November/Dezember 2014) unter Pascous Selbstversorger Journal erscheinen. Erstellt: Ende September.

Alarmstufe Orange. Die zweithöchste Wetteralarm-Stufe. Es ist Mitte September und im Departement Hérault, in dem sich mein Stück Land befindet, regnet es seit Stunden in Strömen. Ich fürchte um meinen Garten. Dort angekommen habe ich kaum Zeit einen Rundgang zu machen – schon bricht die nächste Wolke über mich herein. Ich quetsche mich unter mein Unterstandsdach. Es ist eng hier, weil die Kisten und Werkzeuge viel Platz brauchen. Nach zehn Minuten nimmt die Regenintensität ab. Ich verlasse den Unterstand und sehe, was die grosse Niederschlagsmenge der letzten Stunden angerichtet hat: ein Erdrutsch am Südrand des Terrains, eine grosse Furche im Lauchbeet und diverse ausgewaschene Beete. Merde!

Wie üblich wenn Regen gemeldet war, hatte ich zuvor ins Freiland ausgesät. In diesem Fall Feldsalat, Spinat und diverse Radies-Sorten. Da war ich wohl etwas leichtsinnig, doch wer konnte ahnen, dass es nicht nur regnen sondern sogar stürmen würde. Die federleichten Samen wurden durch die Kraft des Wassers und wegen der leichten Neigung des Terrains einfach weggeschwemmt. Bis anhin setzte ich zu Luftsprüngen an, wenn Regen gemeldet war. Denn mein Wasserhaushalt war den ganzen Sommer über immer prekär, da ich ja kein fliessend Wasser habe. Jetzt habe ich die Kehrseite des Regens kennen gelernt, verfluche ihn und will gar nicht erst an die bevorstehende Schneckeninvasion denken! Mein einziger Trost: Alle meine Wasserbehälter sind proppenvoll. Fast 200 mm (!) Regen wurden während nur wenigen Stunden in Le Bousquet d’Orb gemessen. Das ist ein Drittel der jährlichen Niederschlagsmenge. Ein solches Phänomen, die Franzosen nennen es épisode cévenole, ist hier seit fünf Jahren nicht mehr vorgekommen.

Abgesehen von Geschichten über sinnflutartige Regenfälle, habe ich am Ende des Sommers zweierlei zu berichten: Erstens, die Sommerbeete sind mehrheitlich abgeerntet und die Winter-Kulturen ausgesät bzw. ausgepflanzt. Zweitens kann ich jetzt aus dem Vollen schöpfen. Noch habe ich Tomaten und endlich auch Paprika, während das Winterlagergemüse wie Kürbisse und Kartoffeln genauso wie die Hülsenfrüchte bereits geerntet sind. Mit dem Ertrag letzterer bin ich mehr als zufrieden. Hier wurden meine Erwartungen übertroffen, da ich bis anhin noch nicht viel Erfahrung mit diesen proteinhaltigen Samen hatte. Ich wusste zwar, dass die Kulturen pflegeleicht sind, doch nach nur dreimal hacken, erwartete ich nicht eine so grosse Ernte: Vier Kilo Kichererbsen und zwei Kilo Linsen sind das Resultat. Um die Samen zu dreschen und zu säubern, hatte ich ein kollektives Saatgut-Atelier bei einem befreundeten Gemüsebauer organisiert. Zuerst droschen wir die mit Stengel geernteten und sich noch in ihrer Schale befindendlichen Samen. Dann trennten wir mit einer alten Blasmaschine die Samen vom „Abfall“. Alles von Hand, mit manuellen Geräten. Zuletzt mussten wir noch die übrig gebliebenen Unreinheiten heraussortieren. Das Ganze war eine staubige, minutiöse und anstrengende Angelegenheit. Mir lief am Ende die Nase, so stark irritierte mich der Staub. Und müde war ich auch. Zum Glück halfen mir den ganzen Nachmittag fünf FreundInnen, da ging alles viel schneller. Was würde ich nur ohne sie machen?

Meine mit Fleiss und Schweiss erarbeiteten Lebensmittel kann ich neuerdings in einer grossen Garage lagern. Die alte WG und damit auch meinen bisherigen Lagerraum mussten wir Ende August aufgeben, da der Besitzer selber wieder eingezogen ist. Kein Zufluchtsort zu haben, hat mich vorübergehend beunruhigt – bis ich nur Tage später mit zwei Freunden in ein günstiges Häuslein nahe der Orb ziehen konnte. Just im Moment als es in Strömen regnete und der Fluss gleich am ersten Abend beim Einzug über Bord trat. Was für eine Ankunft! Die Umzugskisten wurden nass, zum Glück aber nicht unsere Garage im Parterre und damit meine Lebensmittel. Die neue Wohnsituation wird mir künftig das Leben erleichtern: einerseits, weil sich mein Weg zum Garten verkürzt hat, ich brauche mit dem Velo nur noch fünf Minuten. Und andererseits, weil ich nun einen festen Wohnsitz habe. Nach Jahren des – man kann es nicht anders sagen – Hausens in Zelt und Bus hatte ich zuletzt zunehmend das Bedürfnis nach mehr Komfort. Diesbezüglich hatte ich mir in der Vergangenheit wohl hie und da was vorgemacht. Denn nach nur kurzer Zeit fühle ich mich schon zu Hause hier – auch dank meinen gut gelaunten Mitbewohnern, die ich künftig regelmässig in den Garten mitschleppen werde. Das nächste Mal wohl dann, wenn ich die diversen Schäden nach den starken Regenfällen werde reparieren müssen. Denn auch für die nächsten Tage ist Regen gemeldet.

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Ein Kommentar zu “Wenn Regen nervt

  1. ryser
    13. November 2014

    nach deinen Ausführungen bin ich froh,dass ich nur einen kleinen
    garten habe ¨!
    deine gotte in la suisse

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Oktober 2014 von in Lesen_Lire, Selbstversorgung+.
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