… « zwischen »  den Zeilen und den Erdschichten … « entre » les lignes et la terre

@ holi-day-work

Hors Serie VI: Der Achttage-Film, ein Rückblick auf die Solothurner Filmtage und so..

VOR-ange-SPANN-tes I: vielen Orts, wie hier am Hauptbahnhof, zieren Burka tragende Frauen wieder einmal die Plakate der SVP, die gegen die erleichterte Einbürgerung von Personen der dritten Ausländergeneration Stimmung macht. Am 12. Februar wird abgestimmt, ob wir den meist katholischen Guiseppes und Francescas das rote Büchlein

Am Hauptbahnhof Solothurn, Kampf um Aufmerksamkeit..

Am Hauptbahnhof Solothurn, Kampf um Aufmerksamkeit.. (Photo: pascoum)

geben wollen – eine Voranspannung macht sich breit! Locker leicht eröffnete am Mittwochabend der Journalist Hans Stutz im Infoladen Cigno Nero in der Solothurner Vorstadt den Vorhang. Er gab einen umfassenden Einblick in die Rechtsextreme Szene der Schweiz und hielt fest: „Der Bär tanzt aktuell in der Westschweiz.“ Ob die Welschen vielleicht das Zünglein an der Waage spielen werden?

VOR-ange-SPANN-tes II: TeleM1 und ihre Verbündete, die Solothurner Zeitung, vermeldeten am Vortag der offiziellen Eröffnung der Filmtage, dass Linksautonome in Solothurn gegen das WEF demonstrieren würden; am Donnerstag-Abend standen dann Polizisten am Hauptbahnhof beim Unterführungstreppenaufgang, in Vollmontur. Angeblich waren bis zu 200 Sicherheitskräfte in Alarmbereitschaft gesetzt. Wau! Das Feuerwerk draussen blieb dann aus, drinnen dagegen wurden die Filmtage mit dem späteren Siegerfilm der Kategorie „Prix de Soleure“ „Die göttliche Ordnung“ eröffnet. Gelangweilt haben sich an diesem Abend wohl eher die Polizisten als die FestivalbesucherInnen..

So waren sie also lanciert, die Filmtage.

Ein Hauptakteur stellte anfangs alle Stars in den kalten Nebel: Mister Ticketing. Das direkt von null auf hundert heraufgefahrene neue, moderne System hinkte, verbesserte sich und sorgte für regen Gesprächsstoff. Die KassenmitarbeiterInnen – darunter zum ersten Mal auch ich – waren gefordert. Das Gewohnheitstier Mensch wird

Pascou im Canva-Hüsli mit iPad und ohne Besucheransturm.. (Photo: pascoum)

Der Kassen-Neuling im Canva-Hüsli mit iPad aber ohne Besucheransturm.. (Photo: pascoum)

sich aber spätestens 2018 daran gewöhnt haben. Ja müssen! Und wer jammert, die ganze Spontaneität sei jetzt dahin und damit das Filmtage-Erlebnis Solothurn gleich mit, der irrt: wer will kann immer noch spontan herumschlendern und in eine Filmvorführung rein schlendern. Zehn Minuten vor Filmbeginn werden nämlich die nicht wahr genommenen Reservationen gecancellt und wer dann da ist, den freut’s! Die schlagfertige Filmdirektorin Seraina Rohrer nahm das Mister-Tickting-Bashing mit Humor und liess verlauten, dass man diese „Katastrophe“ relativieren sollte, schliesslich sei ja heute Freitag Donald Trump offiziell im Amt als amerikanischer Präsident vereidigt worden.

Als weitere Hauptakteure nahm ich als Gartenfan die vielen Filme zu diesem Thema wahr. Mein Highlight: Wild Plants (läuft aktuell bereits in Genf..) von Nicolas Humbert. Der Dokfilm porträtiert „Les jardins de Cocagne“ in Genf, die eine Pionierrolle für die modernen Vertragslandwirtschaftskooperativen ist, den Zürcher Guerilla Gärtner Maurice Maggi, einen idealistischen urbanen Kollektivgarten in Detroit und den indianischen Philosophen Milo Yellow Hair. Stimmungsvoller, sehr ästhetischer Film über das Essentiellste im Leben, die Nahrungsmittelproduktion und den Kompost als Metapher für die Wiedergeburt.

Filmplakate im Canva (Photo: pascoum)

Filmplakate im Canva (Photo: pascoum)

Im Film Revolution silencieuse (in der Romandie angelaufen..) von Lila Ribi fasst Cédric, ein Biobauer aus dem wadtländischen Jura Mut und stellt seinen Betrieb auf Getreideproduktion um. Indem er lokale Sorten anbaut und wieder in die Mäuler bringt, pflegt er den Erhalt von bäuerlichem Saatgut und altem Wissen. Chapeau, vor allem weil der Bauer eine mehrköpfige Familie zu ernähren hat und es wirtschaftlich gesehen ein Risiko darstellt.

In Demi-vie à Fukushima (ab März im Kino) von Mark Olexa und Francesca Scalisi wird ein Bauer porträtiert der als Hüter der Vergangenheit an den Atomunfall von 2011 erinnert. Er bestellt weiterhin seine Felder und füttert sein Vieh.

MIRR und Alptraum möchte ich ebenfalls erwähnen. Ich hätte sie gerne gesehen! In MIRR (angelaufen..) geht es um den Kampf und Widerstand eines Bauers in Kambodscha, der Opfer von Landenteignung geworden ist. Alptraum (ab März im Kino) erzählt die Geschichte zwei Jugendfreunde, die gemeinsam einen Alpsommer verbringen.

Soweit zu meinen Lieblings-Hauptakteuren; Nebenschauplätze und -rollen gab es natürlich auch. Meine Entdeckung war, dass in der Säulenhalle zwischen all den Flyern doch tatsächlich das A-Bulletin aufgelegt war. Wer es nicht kenn: es ist ein handgemachtes Anzeigen-Büchlein, das zweiwöchentlich von Alternativen für Alternative erscheint. In der aktuellen Ausgabe wird eingehend der Film Einfach Leben (jetzt in den Kinos) thematisiert. Ein Dokufilm über eine Gruppe Menschen, die sich im Tessin zusammengefunden haben und abseits der Zivilisation im Einklang mit der Natur leben. Für mich ein Muss dieser Film!

Ein Muss waren natürlich auch die Besuche in der Genossenschaftsbeiz Kreuz. Im Festivalzentrum trifft man auf Altbekannte und einem noch Unbekannte FilmliebhaberInnen.

ABSPANN: das von der Öufi-Brauerei gebraute Abspann-Bier für die Filmtage war ganz bekömmlich. Genauso wie das Buffet am MitarbeiterInnen-Fest zum Festival-Ende. Die Spannung löste sich im Verlaufe des Abends dann endgültig..

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 30. Januar 2017 von in Lesen_Lire, Selbstversorgung+.
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